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Dass die Stuttgarter Schule für Gestaltung eine Kreativitätsschmiede ist, zeigte sich bei der diesjährigen Ausstellung.
Von insgesamt sechs verliehenen Auszeichnungen gingen fünf an Absolventen der Stuttgarter Schule. Was nicht heißen soll, dass die anderen Schulen nichts zu bieten hatten. Handwerklich ist das Niveau in den fünf anderen baden-württembergischen Meisterschulen Karlsruhe, Lahr, Mosbach, Reutlingen und Ulm, die ebenfalls am Wettbewerb teilnehmen, gleichermaßen hoch. Doch in der Landeshauptstadt hat man ein Faible fürs Experimentieren – und das schien (auch) der Jury zu gefallen. Natürlich kann man sich fragen, ob diese teilweise äußerst experimentellen Wandgestaltungen jemals umgesetzt werden, ob eingefärbte Teebeutel tatsächlich an die Wand gehängt und Vliesstreifen durch Stahlseile gewebt werden. Doch darauf kommt es auch gar nicht an. Wichtig ist, zu erkennen, was mithilfe von Farben, Putzen und anderen (Maler-)Materialien gestalterisch alles machbar ist. Nur so können neue Techniken entstehen. Und wer will schon immer nur das Althergebrachte?
Teebeutel, Papier und Stoff
Ganz neu ist die Idee mit den Teebeuteln zwar nicht mehr, aber immer wieder ist es faszinierend, wie aus einem unscheinbaren Produkt eine beeindruckende Wandgestaltung entstehen kann. Allemal sehr passend war die Technik, bei der benützte (und damit gefärbte) und unbenützte Teebeutel dicht aneinander gereiht wurden, für die Aufgabenstellung von Melanie Ruhsam-Heinkelein (Stuttgarter Schule), nämlich die Gestaltung eines Teekontors. Dass sich auch die Jury an der Technik noch nicht satt gesehen hat, zeigt die Auszeichnung, die sie für diese Arbeit vergeben hat. Neben besagter Technik setzte die frisch gebackene Meisterin auch die „Beigaben“ zum Tee, etwa Milch und Zucker, gestalterisch um. So ist in einer cremefarbenen Feinputzfläche ein Streifen aus Zuckerwürfelimitaten zu finden. Durch die unterschiedlichen Höhen der kleinen Würfel entwickelt die Bordüre ein sehr lebendiges Licht- und Schattenspiel.
Romano Hörner (Stuttgart) nahm sich in seiner Meisterprüfung eines brandaktuellen Themas an: Stuttgart 21. Wie könnte ein Informationsbereich für diesen umstrittenen Bahnhof aussehen? Romano Hörner rückte die technischen Daten in den Vordergrund und so entstand eine technische Zeichnung eines Räderwerkes im Wandformat. Interessant wirkt die Zeichnung dadurch, dass sie mit Vlies überspannt wurde, einzelne Zeichenlinien aber ausgespart sind. Auch wenn das Thema Stuttgart 21 derzeit in aller Munde ist, so war dies sicherlich nicht ausschlaggebend für die Vergabe einer Auszeichnung. Vielmehr wurde die Idee und deren exakte Umsetzung von der Jury honoriert.
Keine Auszeichnung erhielt Patric Ehmann für die Gestaltung einer einstigen Textildruckfirma, die heute Kulturdenkmal ist und von diversen Institutionen genutzt wird, dafür aber jede Menge Aufmerksamkeit von den Ausstellungsbesuchern. Das Thema Stoff wurde vielfältig umgesetzt. Neben einer edlen Wandbespannung, die in einem verrostet wirkenden Rahmen präsentiert wird, ziehen insbesondere Stoffstücke, die über Rundschnüre gespannt wurden, die Blicke auf sich. Übereinander gereiht und durch vergoldete Stäbe unterbrochen, ergibt sich eine faszinierende bunte Wandgestaltung.






















